{"id":1707,"date":"2017-09-23T20:59:27","date_gmt":"2017-09-23T18:59:27","guid":{"rendered":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/?p=1707"},"modified":"2017-09-23T20:59:27","modified_gmt":"2017-09-23T18:59:27","slug":"reise-eines-menschen-zu-den-menschen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/?p=1707","title":{"rendered":"Reise eines Menschen zu den Menschen"},"content":{"rendered":"<p>Da mich die Situation im Europa des zu Ende gehenden Jahres 2015 deprimiert und ich dringend irgendeine Motivation (f\u00fcrs weitermachen und nicht Hoffnung aufgeben) ben\u00f6tige, kam ich auf die Idee des Verbindens von Menschen, auf neudeutsch des Vernetzens. <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"smilies\" title=\"Zwinkern\" src=\"http:\/\/forum.skarja.de\/images\/smilies\/icon_e_wink.gif\" alt=\";)\" width=\"15\" height=\"17\" \/> &#8211; zumindest in meinem Kopf.<br \/>\nFreunde, Familie, (noch) Fremde.<br \/>\nWenn das (Mit)menschliche fl\u00f6ten geht, kann man es nur durch das Menschliche zur\u00fcck gewinnen. Das ist eine neue Erkenntnis f\u00fcr mich und f\u00fchrt mich vielleicht aus der beginnenden Depression.<br \/>\nDie W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar, mein absolutes Credo. Ich bin ein Kind des Grundgesetzes und mich verst\u00f6rt, wie die erste wirklich demokratische und menschliche Verfassung dieses seltsamen Konglomerats, welches sich Deutschland nennt, immer mehr infrage gestellt und zerst\u00f6rt wird.<br \/>\nIch suche jetzt keine Schuldigen, nicht, weil ich keine benennen k\u00f6nnte, sondern weil mich das ganz pers\u00f6nlich nicht weiter bringt. Ich kann diese seltsame Gesellschaftsordnung des Kapitalismus, der inzwischen schlimmer als der Manchesterkapitalismus ist, weder zerst\u00f6ren noch wirklich beeinflussen. Achja, heute nennt man das besch\u00f6nigend Neoliberalismus, wobei das mit liberaler Gesinnung \u00fcberhaupt nichts zu tun hat, Hirsch und Baum w\u00fcrden vermutlich im Grab routieren, wenn sie sehen w\u00fcrden, wo sich der liberale Gedanke hin entwickelt hat.<\/p>\n<p>Ich brauche ein Ziel, um mich aus dem dunklen Tal des Aufgebens zu befreien und habe deswegen beschlossen Menschen, Momente, Mut zu sammeln und quasi als Banner oder Konzept gegen Hartherzigkeit, Hass und Hochmut vor mich her zu tragen. Auch wenn das pathetisch klingen mag, brauche ich diesen Schutz f\u00fcr mich selbst.<br \/>\nIch liebe Menschen so sehr wie Landschaften und m\u00f6chte nun das eine mit dem anderen verkn\u00fcpfen.<br \/>\nWenn es mir gelingt, freue ich mich, wenn nicht, dann habe ich wenigstens versucht, meine Stimme zu erheben.<\/p>\n<p>Irgendein Erlebnis muss notgedrungen das erste sein, schwierig, weil es nicht das bewusste &#8220;erste&#8221; Ereignis gibt. Vielleicht dies hier nun als wichtiger Moment in meiner Erinnerung.<br \/>\nEs war der erste Urlaub, den wir als Familie unternahmen, mit drei Kindern reichte das Geld einfach nicht, um irgendwohin zu fahren. aber jetzt ging es doch hinaus in die Welt und die Welt beinhaltete pl\u00f6tzlich das holl\u00e4ndische Friesland f\u00fcr mich. Die Menschen sprachen eine Sprache, die ich nicht kannte, aber das L\u00e4cheln und die Gestik lie\u00dfen mich auf seltsame Art heimisch und fremd zugleich f\u00fchlen. Und die Fahrten, die wir drei Schwestern mit dem Ruderboot \u00fcber die Kan\u00e4le unternahmen, bargen einen unbekannten Zauber f\u00fcr mich. So nah war ich noch nie an Natur heran gekommen. Als Stadtkind verz\u00fcckt all die Wasserv\u00f6gel zu beobachten, f\u00f6rmlich zu sp\u00fcren wie die Ruder sanft das Wasser durchschneiden, ich f\u00fchlte mich so frei und ich glaube, dass dieses Erleben mich ganz stark beeinflusst hat. Das Gef\u00fchl der Freiheit kann unbestreitbar s\u00fcchtig machen.<br \/>\nUnser Bungalow stand ein wenig abseits des Kanals\/Fluss? und man ging einige Meter bis zu ihm hin. Dort lag ein altes Hausboot, auf welchem die Eignerfamilie des Gel\u00e4ndes und der wenigen Bungalow wohnte. Schr\u00e4g gegen\u00fcber lag ein weiteres Hausboot, auf welchem im Sommer ein \u00e4lteres holl\u00e4ndisches Ehepaar lebte. Eines Morgens kam ich zum Wasser, der j\u00fcngste und noch kleine Sohn der Familie weinte und Peta, eine seiner Schwestern, mit der ich mich angefreundet hatte, wir brachten uns gegenseitig unsere Zahlen und andere Worte bei, erkl\u00e4rte mir mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen, dass Henk irgendetwas ins Wasser geworfen habe, was dem Ehepaar geh\u00f6re. Und sie w\u00e4ren nun traurig, Peta schaute dabei ebenfalls traurig, damit ich auch die Dramtik des Ganzen ermessen konnte. Ich \u00fcberlegte nicht, sondern sprang im Short und Bl\u00fcschen (ich konnte noch nicht wirklich schwimmen, ein paar Hundepaddelschl\u00e4ge wie mein Vater es nannte) ins Wasser, es reichte mir gerade bis kurz unter die Nase. Unerm\u00fcdlich tastete ich mnit den Fe\u00fc\u00dfen den schlammigen Boden ab und trat dann in in ein scharfkantiges Metallteil. Anstatt zu weinen &#8211; es tat verdammt weh &#8211; versuchte ich zwischen meinen F\u00fc\u00dfen dieses seltsame Teil an die Wasseroberfl\u00e4che zu bekommen, der dritte Versuch war erfolgreich, es war ein Sieb und ich warf es an Land, kletterte aus dem Wasser, hob es auf und ging mit blutendem Fu\u00df strahlend auf die mir so alt erscheinenden Leute zu und \u00fcbergab es ihnen. sie sahen sehr ernst drein, dann l\u00e4chelte der Mann und sagte auf Deutsch: <em class=\"text-italics\">Danke, mein M\u00e4dchen.<\/em> Ich freute mich, lachte sie an und rannte fort, um mit Peta zu spielen. Am Abend befragte mich mein Vater, was denn passiert sei, er habe von meinem Tauchgang geh\u00f6rt. Ich erz\u00e4hlte und pl\u00f6tzlich schmerzte meine Ferse wieder, worauf ich ein Pflaster und einen Riegel Schokolade bekam.<br \/>\nMein Vater lobte mich, er freue sich, dass ich da so beherzt gehandelt h\u00e4tte, wo ich doch nicht richtig schwimmen k\u00f6nne, was ich nat\u00fcrlich vehement bestritt und damit meine Eltern zum Lachen brachte. Eltern k\u00f6nnen so doof sein. Sie wurden wieder ernst und mein Vater erkl\u00e4rte mir, dass dieses Ehepaar ganz schlimme Sachen mit den Deutschen w\u00e4hrend des Krieges erlebt h\u00e4tte, er schaute traurig, was mich etwas \u00e4ngstigte. M\u00f6gen die mich nicht, fragte ich erschreckt, weil ich wusste ja durchaus, dass ich aus dem Land mit dem Namen Deutschland kam, aber sie beruhigten mich. Nein, sie h\u00e4tten extra gesagt, dass sie eine ganz liebe und tapfere Tochter h\u00e4tten und wer wei\u00df, vielleicht w\u00fcrde ja wirklich eines Tages das alles nochmal gut.<br \/>\nDas ging mir alles oft im Kopf herum, obwohl es noch lange dauerte, bis ich die Hintergr\u00fcnde verstand. Aber offensichtlich hatte mich das Ehepaar etwas ins Herz geschlossen, ab und an schenkten sie mir einen Keks und als ich einmal auch einen f\u00fcr Peta erbat, nein fast schon forderte, weil sie doch meine Freundin war, lachte auch die ernste Frau, l\u00e4chelte und sagte auf Deutsch: <em class=\"text-italics\">Freundschaft ist etwas sch\u00f6nes, vergiss das nicht.<\/em> Als ich sie sch\u00fcchtern ansah, lachte sie unbd sagte: <em class=\"text-italics\">was, du bist manchmal auch sch\u00fcchtern?<\/em> &#8211; was mich total verlegen machte. Zum Gl\u00fcck erl\u00f6ste mich Peta aus dieser Situation, weil sie sich begeistert auf den Keks, den ich ihr reichte st\u00fcrzte.. Wenn ich nachdenke, wei\u00df ich sogar noch, wie sie aussah. Peta meine ich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da mich die Situation im Europa des zu Ende gehenden Jahres 2015 deprimiert und ich dringend irgendeine Motivation (f\u00fcrs weitermachen und nicht Hoffnung aufgeben) ben\u00f6tige, kam ich auf die Idee des Verbindens von Menschen, auf neudeutsch des Vernetzens. &#8211; zumindest &hellip; <a href=\"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/?p=1707\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1707"}],"collection":[{"href":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1707"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1707\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1708,"href":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1707\/revisions\/1708"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1707"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1707"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1707"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}