{"id":277,"date":"2011-06-09T22:06:39","date_gmt":"2011-06-09T20:06:39","guid":{"rendered":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/?p=277"},"modified":"2012-02-01T00:05:10","modified_gmt":"2012-01-31T22:05:10","slug":"die-bilder-in-meinem-kopf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/?p=277","title":{"rendered":"Die Bilder in meinem Kopf"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin ja das, was ich so lapidar als Hobbyknippserin benennen w\u00fcrde.  Ich fotografiere sehr gern (wenn auch auf einem unteren Niveau, was  Technik, Wissen und Gestaltung angeht) und kann mir stundenlang  Ansichten\/Einsichten &#8211; eigene und auch die von anderen anschauen, ohne  dass ich erm\u00fcde oder mich langweile.<\/p>\n<p>Als ich gestern lange in der Sbahn Richtung Oburg sa\u00df und m\u00fc\u00dfig  \u00fcberlegte, ob ich aus meinen letzten l\u00e4ngeren Stadtspaziergang durch  Berliner Wasserlandschaft einen mit vielen Fotos best\u00fcckten  Wanderbericht machen sollte, kam ich ins Gr\u00fcbeln, was den Sinn des  Abbildens ausmacht. Ob es einen \u00fcber das Hobby hinausgehenden Sinn macht  so etwas zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Ob nicht die Bilder in unserem Kopf die viel einpr\u00e4gsameren sind  und\/oder ob die Erinnerung letztlich irgendwann verblasst, wenn es zu  einem Bild kein Wiedererkennen oder zu einem Ereignis kein Bild im Kopf  vorhanden ist.<br \/>\nIn diesem Zusammenhang begann ich nach solchen Bildern zu suchen. Wo war  in meinen Erinnerungen ein Bild hinterlegt und was wusste ich davon.  Wie konnte ich es jeweils selber einordnen. M\u00fc\u00dfige Gedankenspielerein  dachte ich, als ich in meinen Zielbahnhof einfuhr, zu m\u00fc\u00dfig, um damit zu  beginnen.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6ner Tag mit FReunden folgte und auf der R\u00fcckfahrt, begann ich  mehr oder wenig unwillentlich in den vielen SChubl\u00e4dchen in meinem Kopf  zu st\u00f6bern. Einzige Bedingung bei diesem Spiel war, dass es etwas mit  dem drau\u00dfen zu tun haben sollte, auf irgendeine Art und Weise.<br \/>\nAlso beginne ich mal in der Kindheit, dachte ich mir.<br \/>\nEine Landkarte. Island.\u00a0  Ich lang auf dem Boden liegend und die Konturen der Insel mit den  Finger abfahrend. Gr\u00fcbelnd, wie man wohl au\u00dferhalb der Ringstra\u00dfe, die  nur teilweise geschlossen war, vorw\u00e4rts kommen k\u00f6nnte. Ob es m\u00f6glich  w\u00e4re, die Gletschergebiete zu umgehen oder dar\u00fcber zu laufen.<br \/>\naber ne, ok, das war ja indoors.<\/p>\n<p>Also eine neue Lade aufziehen.<br \/>\nFriesland. Schwimmen in Fl\u00fcsschen, Seen und Kan\u00e4len. Ein Hausboot nahe  unserem kleinen Haus, darauf eine stark geschminkte &#8220;alte&#8221; FRau in  Bikini auf einem Liegestuhl, der Vermieter des Hauses, der mit seltsamen  Blick dort immer vorbei geht.<br \/>\nSegeln mit den Beffen des Besitzers, meine total sonnenverbrannte Hand am Ruder, der Blick hoch zum sich bl\u00e4henden Segel.<\/p>\n<p>aber sch\u00f6nstes Bild: schwimmen im Regen im Tjeukemeer. ich sehe das nahe  SChilf der kleinen Insel dort, die dicht fallenden Tropfen, die Ringe  auf dem Wasser, in der Erinnerung sp\u00fcre ich noch das seidenweiche, gr\u00fcne  Wasser.  Ziehe die klatschnassen Sachen an (warum eigentlich?) und  rudere ganz langsam zur\u00fcck. Wie die Ruder ins Wasser hineingleiten&#8230;<\/p>\n<p>Rhodos &#8211; ich sitze auf der Glaros, lasse die Beine vom Boot baumeln,  verschr\u00e4nke meine Arme an der untersten Strebe der Reling und schaue auf  meine F\u00fc\u00dfe, die \u00fcber dem Wasser schweben. So blau ist das Meer, eine  solche Bl\u00e4ue habe ich noch niemals gesehen und doch kann ich zum Grund  der kleinen Bucht hinabsehen.<br \/>\nKurz darauf ankern wir und ich klettere die Leiter hinunter und bleibe  die ganze Zeit in diesem Blau, auch wenn die anderen in einem kleinen  Boot zu einem Restaraunt \u00fcbersetzen und lasse mich nur widerwillig  darauf ein, wieder an Deck zu klettern, als sie alle wieder los wollen.  Dieses Blau. im Hintergrund dunkelblau, teils kraftig und unter mir  durchsichtig.<br \/>\nIn meinen Tr\u00e4umen taucht es manchmal auf, dieses unwahrscheinliche und vielseitige Blau.<\/p>\n<p>ein Spaziergang mit meinen Schwestern durch den Duisburger Wald. Ich  stehe mit L unter einem gro\u00dfkronigen Baum. Wasser rinnt uns aus den  Haaren, der Kleidung, die SChuhe schwimmen und ich sehe auf ihr Gesicht.  Es lacht.<br \/>\nAls es zu regnen beginnt, geht M zur Stra\u00dfenbahn, hei\u00dft uns Verr\u00fcckte,  die bei diesem Sauwetter unterwegs sein wollen, aber wir gehen immer  tiefer in den Wald hinein.<br \/>\nUnd nun stehen wir wieder am Rand, seit einiger Zeit gewittert es heftig  und sch\u00fcttet immer mehr. Und so stehen wir unter diesem Baum, ich  glaube, es ist eine Eiche. Ein emotional ganz stark besetztes Bild.<\/p>\n<p>Irland &#8211; ach, da gibt es so viele innere Bilder. Der Blick von meinem Zelt \u00fcber South Harbour auf CI. Ich muss nur die Augen schlie\u00dfen, ich sitze  wieder auf der Wiese, die Arme \u00fcber den Beinen verschr\u00e4nkt und schaue  nur.<br \/>\nVon Molls Gap hinunter zu den Seen. In donegal der Blick auf die Nebellandschaft. Der Blick \u00fcber den Achill Sound.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei &#8211; die wilden Anemonen am Stra\u00dfenrand unterwegs mit dem Bus,  das Wandern hinaus aus dem ort in die Landschaft, hinaus, um eine dieser  wundervollen Blumen von nahem zu sehen, zu ber\u00fchren. Dieser Blick in  die Landschaft ist gestochen scharf vor meinem inneren Auge.<\/p>\n<p>Sonnenunterg\u00e4nge, Regenbogen, hohe Wellen am Meer.<br \/>\nsortieren &#8211; hier auf dem Eiffelturm, so sch\u00f6n, ich konnte mich nicht  l\u00f6sen und h\u00e4tte noch Stunden dort verbringen k\u00f6nnen. Oder auf den Stufen  von Sacre Coeur  , Musiker in der untergehenden Sonne.<br \/>\nRegenbogen aus dem Fenster des Zuges nach Sligo, 7 w\u00e4hrend einer Fahrt.  Durch das Fenster eingerahmt: der Regenbogen, Blick hinaus<\/p>\n<p>Waldviertel: &#8220;mein Hof&#8221; hinter der Kr\u00fcmmung des Ackers, der leersteht,  den ich sofort kaufen w\u00fcrde, alleine wegen dieses Blickes. Wenn ich es  denn k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es sind so viele Bilder in meinem Kopf, die SChbladen, gro\u00dfe und kleine L\u00e4dchen springen auf, \u00fcberschwemmen mich f\u00f6rmlich.<br \/>\nVorsichtig schlie\u00dfe ich sie wieder, bis zum n\u00e4chsten Mal. Wenn ich vor mich hin schauend nach innen schaue.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ja das, was ich so lapidar als Hobbyknippserin benennen w\u00fcrde. 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