{"id":927,"date":"2011-11-11T23:05:21","date_gmt":"2011-11-11T21:05:21","guid":{"rendered":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/?p=927"},"modified":"2012-02-01T00:02:34","modified_gmt":"2012-01-31T22:02:34","slug":"tagessuppe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/sternstaub.org\/blog\/?p=927","title":{"rendered":"Tagessuppe &#8211; alt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In einer l\u00e4ngst vergangenen \ud83d\ude09 Zeit habe ich einmal ein Projekt begleitet, welches sich Tagessuppe nannte. An diesem Projekt konnte jeder teilnehmen, es ging darum, Momentaufnahmen, Gedanken, Tagestexte zu schreiben und sie mit den anderen zu teilen und aneinander zu reihen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztens stolperte ich wieder \u00fcber diese alten Textfragmente und ich beschloss zumindest die von mir geschriebenen zu &#8220;retten&#8221; und hier\u00a0 einzustellen. Und vielleicht auch f\u00fcr mich zumindest erneut zu beleben.<\/p>\n<p>22.01.2006<br \/>\nIch f\u00fchle mich so leicht und beschwingt. Bald werde ich wieder den Weg  gehen, den ich die alte Stra\u00dfe nenne. Durch die Berge, an B\u00e4chen und  Wasserf\u00e4llen vorbei. So weit geht der Blick vom One-Man-Path, manchal  scheint es, als w\u00e4re der Blick auf die Ferne alles was ich brauche zum  gl\u00fccklich sein. Sanfter Regen wird mich tr\u00e4nken, mannigf\u00e4ltiges Gr\u00fcn  mein Auge heilen, dass so m\u00fcde oft ist von den Gesichtern der Menschen.  Der Gesang des Windes, mal sanft, mal zornig wird meine vom  Gro\u00dfstadtl\u00e4rm gequ\u00e4lten Ohren tr\u00f6sten.<br \/>\nBald!<\/p>\n<p>24.01.2006<br \/>\nMein Kopfkino besch\u00e4ftigt sich mit lauter alten &#8211; l\u00e4ngst vergessen  geglaubten &#8211; Kontroversen. Doch sie brechen unter neuer Pr\u00e4misse wieder  auf, recken vorwitzig ihr Haupt und fordern mich erneut zum Kampfe auf.<br \/>\nIch jedoch bin es m\u00fcde, immer wieder die gleichen  Abwehr\/Angriffsgefechte zu f\u00fchren, versuche mich diesen Dingen zu  entziehen. Ich bin keine K\u00e4mpferin um des Kampfes willen. Ich mag nicht  mehr um Rechte streiten, die mir doch eigentlich origin\u00e4r sind. Ich  nehme sie wahr, diese Rechte, wenn du das nicht akzeptierst, ist es  deine Schmach. Warum kann Mann die Akzeptanz, die er selber f\u00fcr seine  Meinungen einfordert, nicht auch Frau zugestehen?<br \/>\nNiemandem zuliebe werde ich zum Weibchen mutieren, die mit der Macht ihrer Tr\u00e4nen und Hilflosgetue Besch\u00fctzerinstinkte weckt.<br \/>\nIch zeige jederzeit meine Schw\u00e4chen, nie aber werde ich meine St\u00e4rken verleugnen, um genehm zu sein!<br \/>\nDas ist nicht mein Weg.<br \/>\nwahre FReiheit ist es, von solchen Gedanken nicht mehr gequ\u00e4lt zu werden. Wer wei\u00df &#8211; vielleicht bald.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">27.01.2006<br \/>\nseltsam durch gelebte eigene Geschichte zu wandern. Bitterkalt war es,  als ich durch unseren alten Park ging. Als Kind habe ich dort gespielt,  der Findling auf dem wir drei Schwestern kletterten, erschien mir so  hoch, kaum erreichbar f\u00fcr mich. Irgendwo in einem fernen asiatischen  Land muss es noch ein Foto geben, auf dem drei kleine M\u00e4dchen auf einem  Felsbrocken sitzen. Ein Kittelsch\u00fcrzenkleid trug ich, das wei\u00df ich noch.  Das war ganz neu und ich kam mir so sch\u00f6n vor. Ich musste doch sch\u00f6n  sein, wenn ein fremder Mann mit asiatischen Gesichtsz\u00fcgen mich  fotografieren wollte. Er erschien mir so fremd, so einen Mann hatte ich  noch nie gesehen, aber ich fasste gleich Zutrauen, als er in holperigem  Deutsch mit mir sprach. Ich muss noch klein gewesen sein, 5 oder 6 und  ging ja noch nicht zur Schule<\/p>\n<p>Dieser Park, so viele Erinnerungen sind dort. Bitterlich habe ich  geweint, als meine eine Schwester, die so gut klettern konnte, um meine  neue Puppe bat und sie oben auf einen riesigen Baum versteckte. &#8220;Ich geb  sie ja gleich wieder&#8221;, rief sie. Doch dann spielten wir Fangen, rannten  immer um die B\u00e4ume herum und erst daheim fiel es uns wieder ein. Am  n\u00e4chsten Tag suchten wir und suchten, aber in dem kleinen W\u00e4ldchen war  dieser besondere hohe Baum nicht mehr zu finden, er war verschwunden und  ich \u00fcberlegte allen Ernstes, ob es vielleicht ein Zauberbaum war, der  Puppen oder Kinder mitnahm. Da war ich froh, dass es nur die neue Puppe  war. Meine Schwester h\u00e4tte ich mehr vermisst. Und ich hatte ja noch  meine hei\u00dfgeliebte alte Schildkr\u00f6tpuppe.<br \/>\nFotos vom Stein habe ich gemacht, erst erschien er mir so niedrig, so  unscheinbar. Ich streichelte \u00fcber die glattgerutschten Fl\u00e4chen und meine  Finger suchten die H\u00f6hlung, in der ich mich sicher f\u00fchlte, sicherer als  oben auf dem hohen Rand. Die Fingerspitzen froren nahezu fest und als  ich mich wieder trennte, erschien mir der Fels so hoch wie in der  Erinnerung.<\/p>\n<p>31.01.2006<br \/>\nIch war so froh und bin so traurig nun.<br \/>\nWorte m\u00fcsste man verbieten, nur Gesten sollten uns verbinden. Gesten,  die man mit H\u00e4nden &#8220;tut&#8221;, L\u00e4cheln aus den Augenwinkeln, einmal in den  Arm genommen, das besagt viel mehr als die Aneinanderreihung von Konsonanten, Vokalen, Silben.<br \/>\nWorte sind tr\u00fcgerisch, streiten kann man nur mit Worten, nicht mit meine Hand in deine nehmen, meine Lippen auf den deinen sp\u00fcren.<br \/>\nWer will schon wissen, was Morgen ist.<\/p>\n<p>31.01.2006<br \/>\nAngst &#8211; zu dem Thema habe ich mir in letzter Zeit h\u00e4ufiger Gedanken  gemacht. Welche Rolle spielt sie in meinem Leben. Spielt sie eine?<br \/>\n8 oder 9 war ich, als ich vom Spielen kam und ins Haus gehen wollte. Und  ein Mann sprach mich an, ich hielt ihm die T\u00fcr auf, weil ich dachte, er  wolle jemand im Haus besuchen. Doch er dr\u00e4ngte mich an die Wand und  grappschte mir zwischen die Beine. Ich trat um mich und sagte : Ich  schreie ganz laut, lass mich los. Lass mich los.<br \/>\nEr schlug die Haust\u00fcr hinter sich zu und ich rannte die ganzen vier  Etagen hoch zu unserer Wohnung. Als meine Mutter mir \u00f6ffnete, fiel ich  mehr hinein, als ich ging.<br \/>\nIch sagte nur &#8211; da ist ein Mann. Ich muss eine solche Panik ausgestrahlt  haben, dass sie mich der Nachbarin f\u00f6rmlich in die H\u00e4nde dr\u00fcckte und  hinunter lief. Ich wei\u00df nicht, was sie gemacht h\u00e4tte, wenn sie ihn noch  angetroffen h\u00e4tte, aber ich hatte noch nie in ihrem Gesicht einen  solchen Zorn gesehen. Sie kam wieder hoch und tr\u00f6stete mich, ich wei\u00df  nicht mehr, was sie sagte. Wenn ich die Augen schlie\u00dfe, kann ich immer  noch ihren Zorn hochholen. Ihren Zorn der mich besch\u00fctzt.<br \/>\nSp\u00e4ter lernte ich die Angst in einer akuten Situation bedeutungslos  werden zu lassen, indem ich mein Ich, meine Gedanken still lege,  innerlich regungslos werde, mich einfach gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig ausblende aus dem  Geschehen. Ich funktioniere, ob es die zerrei\u00dfende Angst wegen einem  Kind ist, die ich zum Gl\u00fcck erst zweimal erlebte, handele, gehe, mache  dies und das, was n\u00f6tig ist. Oder ein Sturm, der mich vielleicht \u00fcber  die Klippen wirft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur einmal hat es nicht gewirkt oder nein &#8211; es hat zu gut gewirkt. Ich  war nicht mehr existent, ich war so weit aus meinem K\u00f6rper gewichen, aus  mir selbst, weil die Gewalt, die man mir antat nicht mit Zorn  verscheucht werden konnte.<br \/>\nNiemand merkte, dass ich nicht mehr da war. So lange man funktioniert, f\u00e4llt es nicht auf.<br \/>\nBis ich mich irgendwo fand und beschloss, mich nie mehr wieder zu verlieren.<br \/>\nNein, ich gehe recht angstfrei durchs Leben, bis auf die eine Angst &#8211; mich wieder zu verlieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">03.02.2006<br \/>\nUngerechtigkeit macht zornig, so zornig, sogar mich, obwohl es lange braucht.<br \/>\nWarum reicht es nie, dass man versucht, was geht zu geben. Warum ist es nie genug?<br \/>\nIch bin des Kampfes m\u00fcde, ich war noch nie eine begeisterte K\u00e4mpferin, doch die Alternativen peinigen mich.<br \/>\nIch kann keinen Kurs sehen, der zu steuern ist, keinen, bei dem ich mich nicht wieder verlieren w\u00fcrde.<br \/>\nIch will die bitteren Fr\u00fcchte des Winters verbrennen und die M\u00e4rzenbecher mit Honig f\u00fcllen.<\/p>\n<p>08.02.2006<br \/>\nWie kann die Sehnsucht nach FReiheit so schmerzen, dass manch anderes  Gef\u00fchl davon \u00fcberdeckt wird, wie kann sie so qu\u00e4len, dass man nichts  anderes mehr ertr\u00e4umen mag. Schon als Kind, Heranwachsende war Freiheit  immer das Thema, dass mich N\u00e4chte lang nicht schlafen lie\u00df. Doch ich  lernte: man fesselt sich immer alleine. Ich fesselte mich so gut, dass  da kein Weg mehr war hin zu mir selbst. Vielleicht liegt die Unfreiheit  ja nur in einem selber.<\/p>\n<p>Zeit ist ein Schiff auf der D\u00fcnung der Barentsee. Wer den Strudeln vertraut, verliert die freie Sicht auf das Wesentliche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">09.02.2006<br \/>\nmir ist heute so fr\u00f6hlich. Obwohl mich der Wecker nach nur kurzem Schlaf  aus dem Bett warf, k\u00f6nnte ich singen und tanzen. Meine B\u00fcro hat nur zu  viele M\u00f6belecken und deswegen tanze ich nur in Gedanken.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein wundersch\u00f6ner Morgen, das Blau des Himmels &#8211; von wenigen  Wolkenf\u00e4den durchwandert &#8211; l\u00e4sst mich aus dem Fenster schauen, Arbeiten  kann ich gleich noch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20.02.2006<br \/>\nZu wissen, was man will und warum und wenndennschon gegebenenfalls wie, ist ein kompliziertes Ding im Leben.<\/p>\n<p>Frage jemanden, was er will und er wird ausweichen &#8211; was meinst du damit und in welchem Zusammenhang?<\/p>\n<p>Pfl\u00fccke man eine eventuelle Antwort auseinander:<\/p>\n<p>Ich will gl\u00fccklich sein.<\/p>\n<p>Ich &#8211; wer bist du? und wie bist du? und warum bist du das, was du bist?<\/p>\n<p>Dieses <strong>ich <\/strong>will also gl\u00fccklich sein? Was ist gl\u00fccklich  sein? Ist das etwas, was man essen, trinken, h\u00f6ren, schmecken, also  konsumieren kann? Ist es etwas, was das ICH &#8220;machen&#8221; muss, ist es  Arbeit, Kunst, ein kreativer Akt?<br \/>\nWas ist das Gl\u00fcck, welches man erlangen kann? Und wenn man es errungen  hat, wie kann man es halten? Kann man oder will man es &#8220;fest&#8221;halten?  Spricht nicht allein schon der Wunsch des &#8220;fest&#8221;halten m\u00fcssen dagegen,  dass man ein solches Ziel erreichen kann?<\/p>\n<p>Vielleicht bestellt man besser eine gut abgemessene Dosis Gl\u00fcck in  leicht aufbrauchbaren Portionen auf Raten im n\u00e4chsten Internetkaufhaus!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20.02.2006<br \/>\nwenn man lang genug sucht&#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Hier einer meiner Lieblingsstellen von Hermann Hesse<\/p>\n<p>[QUOTE]&#8230; das Wort Gl\u00fcck. Es ist eins von den W\u00f6rtern, die ich immer geliebt und gern geh\u00f6rt habe. Mochte man \u00fcber seine Bedeutung noch so viel streiten und r\u00e4sonieren k\u00f6nnen, auf jeden Fall bedeutete es etwas Sch\u00f6nes, etwas Gutes und W+\u00fcnschenswertes. Und dementsprechend fand ich den Klang des Wortes.<br \/>\nIch fand, dieses Wort habe trotz seiner K\u00fcrze etwas erstaunlich Schweres und Volles, etwas, was an Gold erinnerte, und richtig war ihm au\u00dfer der F\u00fclle und Vollwichtigkeit auch der Glanz eigen, wie der Blitz in der Wolke wohnte er in in der kurzen Silbe, die so schmelzend und l\u00e4chelnd mit dem GL begann, im \u00dc so lachend ruhte, und im CK so entschlossen und knapp endete. Es war ein Wort zum Lachen und zum Weinen, ein Wort voll Urzauber und Sinnlichkeit; wenn man es recht empfinden wollte, brauchte man nur ein sp\u00e4tes, flaches, m\u00fcdes Nickel- oder Kupferwort neben das goldene zu stellen, etwa Gegebenheit oder Nutzbarmachung, dann war alles klar.<br \/>\nKein Zweifel, es kam nicht aus den W\u00f6rterb\u00fcchern und SChulstuben, es war nicht erdacht, abgeleitet oder zusammengesetzt, es war EINS und rund, war vollkommen, es kam aus dem Himmel oder aus der Erde&#8230;[\/QUOTE]<\/p>\n<p>ja, so ist das Gl\u00fcck!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">22.02.2006<br \/>\nManchmal sehne ich mich schier verzweifelt danach Langeweile zu haben.  Vielleicht verwechsele ich sie ja mit Mu\u00dfe? Mit Zeit, die nicht hetzt  und rast sondern lang wird.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an meine erste Reise ganz allein. Nach Irland sollte  es gehen, zum ersten Mal. Fl\u00fcge waren zu teuer, wer flog 1974 schon  dorthin? Also brachte mich der Zug von Duisburg nach Zeebr\u00fcgge, danach  die F\u00e4hre nach Dover, der Zug nach London, der n\u00e4chste nach Swansea und  wieder die Nachtf\u00e4hre nach Cork in Irland. Und es war die Zeit, das  Warten \u00fcberall und stundenlang, die diese Reise zusammenhielt. Der Weg  ist letztlich wirklich das Ziel.<br \/>\nMeine zwei B\u00fccher steckten im selbstgen\u00e4hten Rucksack, meine Finger  schienen zu gel\u00e4hmt, sie herauszuholen und so schaute und schaute und  wartete und wartete ich. Menschen, Landschaften, H\u00e4user zogen am  Zugfenster an mir vorbei. Dazwischen immer wieder Wartezeiten an  Bahnh\u00f6fen, F\u00e4hren, niemand zum Reden dabei. Aber auch keine Lust darauf,  \u00fcberhaupt den Mund zu \u00f6ffnen, au\u00dfer f\u00fcrs Trinken und Atmen.<\/p>\n<p>Auf die Corkferry wartete ich 6 Stunden. Ich ging den Kai entlang und  suchte mir ein Fleckchen Gras, wo ich die SChiffe beim Ein- und  Auslaufen beobachten konnte und legte mich lang hin, den Kopf auf den  verschr\u00e4nkten Armen. Es schien mir als ob die Zeit in Tropfen vom Himmel  fiel und ich fragte mich : langweile ich mich oder was ist das?<br \/>\nDie Zeit nahm in meinem Kopf einen solchen Platz ein, dass ich zu nichts  anderem f\u00e4hig war, als ihr zuzuschauen, wie sie verging. Im allerletzen  Moment ging ich erst an Bord der F\u00e4hre und fiel in meiner Koje in einen  traumlosen SChlaf, an dessen Ende wie ein Geschenk das Einlaufen in den  Corker Hafen lag.<br \/>\nLangeweile oder lange Weile?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">23.02.2006<br \/>\nals ich ein kleines M\u00e4dchen war, habe ich wirklich geglaubt, dass die  Welt rund ist und die meisten Menschen liebenswert. Ich hatte zwar  manchmal kritische Stimmen in mir zu bes\u00e4nftigen, die meinten, so  wunderbar k\u00f6nne das doch alles nicht sein. Eine gesunde Portion  Skepzismus war mir offensichtlich schon immer eigen.<br \/>\nEine der vielgeliebten Illusionen meiner Kinder- und Jugendzeit war die  von der selbstverst\u00e4ndlichen Gleichheit des Menschen. Ich w\u00e4re z.b. nie  im Leben auf die seltsame Idee gekommen, dass man andere Menschen wegen  ihres Geschlechts oder ihrer Rasse anders behandeln, missachten oder gar  t\u00f6ten k\u00f6nnte. Oh ja, ich habe immer viel gelesen und Geschichte war <strong>das <\/strong>mich  faszinierende Ding, aber das war doch alles so lange schon vorbei und  die heutigen Menschen lebten aufgekl\u00e4rt und miteinander \u00fcberwiegend in  Frieden.<br \/>\nAls ich zum ersten Mal als junges M\u00e4dchen sexistisch angemacht wurde,  brach zwar f\u00fcr mich keine Welt zusammen. Ich dachte aber, das sei ein  Einzelfall, wie ich gelernt hatte, gab es ja immer und \u00fcberall mal  irgendwelche seltsamen Menschen, die dem Gestern verhaftet waren.  Spr\u00fcche wie: &#8220;sowas macht ein M\u00e4dchen nicht&#8221; habe ich im Elternhaus nie  geh\u00f6rt, da war es einfach selbstverst\u00e4ndlich, dass wir alles machten und  durften, so weit es generell vertretbar war. Wenn es einen Spruch oder  eine Maxime in meinem Elterhaus gab, dann diese: Die eigene FReiheit  findet immer ihre Grenze in der Freiheit des anderen.<br \/>\nAber die Welt da drau\u00dfen war doch schon recht anders, ich lernte jedoch  schnell f\u00fcr meine Rechte einzutreten, ich nahm sie mir und wo man sie  mir verweigern wollte, erstritt ich sie mir. Obwohl ich immer mehr f\u00fcr  andere als mich k\u00e4mpfte. Meine Lieblingslehrerin sah das oft mit  Missbehagen und meinte: &#8220;du wirst dir eines Tages noch an der Realit\u00e4t  den Kopf einhauen und das f\u00fcr andere. K\u00e4mpfe wenn schon f\u00fcr dich  selbst.&#8221; Das h\u00e4tte ich aber als egoistisch betrachtet und die Dellen,  die ich mir im Laufe der Jahre holte hielt ich f\u00fcr unvermeidbar.<br \/>\nTja, goldene Jugendzeit, wo man noch glaubt, die Welt positiv ver\u00e4ndern  zu k\u00f6nnen und dass man mit Logik und sachlicher Argumentation zu  \u00fcberzeugen vermag.<\/p>\n<p>Heute hingegen macht mich meine Machtlosigkeit oft f\u00fcrchterlich zornig.  Wenn ich gerade bei Menschen die ich mag auf langst abgehakt geglaubte  Vorstellungen sto\u00dfe, wenn Argumente nicht geh\u00f6rt sondern im Reflex  abgelehnt werden, \u00fcberkommt mich Mutlosigkeit, nein nicht Mutlosigkeit  sondern Resignation.<br \/>\nmanchmal glaube ich, ich sollte endlich lernen, nur in meinem Kopf zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">26.02.2006<br \/>\nmanchmal schmecken mir die Zutaten meiner Tagessuppe nicht. So viele  unterschiedliche Bestandteile, die kein wirklich homogenes Tagesgericht  hervorbringen.<br \/>\nSo viele Stunden habe ich geschlafen, aber immer noch bin ich zutiefst  m\u00fcde. Der nicht weichen wollende Winter, der heute mit Schnee und  Eisregen den Himmel verdeckte. Die verquere Gedanken zu Freundschaft in  meinem Kopf die mit \u00fcberkochenden Nudeln nicht richtig harmonisieren  wollten.<br \/>\nManchmal scheint es mir, als ob ich Freundschaft anders sehe als manch  anderer. Kann Freundschaft durch einen Satz oder eine  Meinungsverschiedenheit beendet sein?<\/p>\n<p>Und doch ein freundliches Wort, das mittendrin begl\u00fcckt.<br \/>\nEs braucht so wenig und doch so viel. Ich kann aber immer nur das Jetzt  leben und das Dann l\u00e4sst sich ertr\u00e4umen. Vielleicht sollte ich mehr  tr\u00e4umen. Von leichten, luftigen Dingen, von der gro\u00dfen Weite, die ich  bald durchwandern werde. Das sind Dinge, die niemand mir nehmen kann.<br \/>\nDie ich sind.<br \/>\nschlafen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">28.02.2006<br \/>\n&#8230; und wenn ich dir den Regenbogen schenke,<br \/>\nliebst du mich dann?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">02.03.2006<br \/>\nseine eigenen Gesetze zu haben, ist gut. Nach seinen eigenen  Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten zu leben noch besser. Manchmal verliert sich jedoch  der Weg im Dickicht der Realit\u00e4t. Dann ist es gut, den Wind der von der  K\u00fcsten kommt zu sp\u00fcren, zu riechen. Wie die polynesischen Seefahrer sich  nach den Sternen und nach den Ger\u00fcchen und Winden des Meeres  orientierten, so treibt mich der Wind dorthin, wo meine Bestimmung ist.  Das ist kein passives Treiben (lassen), es ist ein Ausnutzen der  Windverh\u00e4ltnisse, der Luftwirbel und Str\u00f6mungen. Die bestehenden  M\u00f6glichkeiten, die die Elemente schaffen, verwenden um den eigenen  Gesetzen, der eigenen Stimme zu folgen.<br \/>\nBald schon, bald werde ich ins Boot nach Clear Island steigen, die Wege  gehen, die ich vor langem ging. Und wieder in den Wind umtosten Klippen  meine Freiheit finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">04.03.2006<br \/>\neder andere Tag ist verschieden? Jeder Weg \u00e4nder sich st\u00e4ndig. Oder ist es dann nur die Wahrnehmung?<br \/>\nHabe einen viel von mir begangenen Weg um den See anders gesehen.  Bereits als ich das gro\u00dfe Eisentor hinter mir schloss und die Stra\u00dfe  hinunterschaute, merkte ich dass ich hinaufschaute. Niemals zuvor war  mir so eindringlich bewusst, dass sie leicht bergan f\u00fchrt bis dorthin,  wo es am Friedhof vorbei zum See hinuntergeht. Und ich staunte, weil mir  das so eindeutig erschien. nachdem ich einen Teil des Weges  zur\u00fcckgelegt hatte, drehte ich mich um und wirklich, die Stra\u00dfe ist zum  Platz hin absch\u00fcssig. Es beruhigte mich sehr, dass mein \u00fcblicher Gang um  den See nicht so absonderlich anders war, bis auf das Eis, welches ihn  bedeckt. Es reicht bis zur Insel auf der immer die SChw\u00e4ne im Fr\u00fchling  nisten. Unwillk\u00fcrlich frage ich mich, ob es weiterhin hier  Schwanenkinder geben wird. meine geliebten Schw\u00e4ne sterben \u00fcberall.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnfinken und Blaumeisen begleiteten mich, tschilpten und sangen, als ob es doch schon Fr\u00fchling w\u00e4re.<br \/>\nIn mir ist es Winter, aber vielleicht bin ich ja der Weg, der sich \u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">06.03.2006<br \/>\nseltsamer Tag das. Stimmungschaos, Wetterchaos, Gedankenchaos,  Arbeitschaos, auch hier in meinem Raum bleckt mich das Chaos mit gelben  Fangz\u00e4hnen an.<\/p>\n<p>St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck &#8211; langsam &#8211; ordne ich &#8211; Geschirr in die K\u00fcche, Abfall in  den Hof, W\u00e4sche auf einen Berg, B\u00fccher und Landkarten ins Regal,  Kontoausz\u00fcge in den Ordner.<br \/>\nDabei ordne ich Detail f\u00fcr Detail das Chaos in meinem Kopf, sortiere:  Belangloses, das eine oder andere liebe Wort, \u00c4rgerliches, L\u00e4cherliches,  Gedankenstr\u00e4nge \u00fcber FReundschaft, Sinn und Nichtsinn von Metaphern wie  Gerechtigkeit, Gl\u00fcck, Freiheit.<br \/>\nZugeschn\u00fcrt hatte man mir das P\u00e4ckchen, bis die Einzelheiten ihre  Konturen verloren hatten. Aber nun lege ich Wort f\u00fcr Wort, Gedanken f\u00fcr  Gedanken, Gef\u00fchl f\u00fcr Gef\u00fchl aus, bis sich ein Flickenteppich daraus  webt.<br \/>\nMal ist das Muster eng, mal tanzt die Luft in den weiten Maschen, dann  laufen verschlierte F\u00e4den quer und vorwitzig eigene Wege.<br \/>\nDoch es ergibt trotzdem eine Einheit, es geh\u00f6rt bei- zueinander, eines  bedingt das andere. Und ich sehe dem zu, erkenne, dass dieses Muster das  meinige ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">07.03.2006<br \/>\nEs gibt Tage, da wache ich frohgemut auf, eingekuschelt in meine Decken,  ein schnurrendes Fellb\u00fcndel auf der Schulter und alles ist gut.<br \/>\nein, zwei Minuten lang dieses Gl\u00fccksgef\u00fchl auskosten, langsam  wachwerden, die verschiedenen Ger\u00e4usche unterbringen. Vorsichtig ein  Auge \u00f6ffnen. Dann das zweite. Als ob ich es nicht w\u00fcsste, es ist das  schwarz-wei\u00dfe Fellb\u00fcndel, welches mir leise ins Ohr schnauft. Das  andere, mehr honig-braun-grau-bernsteinfarbene steht neben meinem Kopf  und blickt mich aufmerksam an, gibt es gleich Fr\u00fchst\u00fcck?<br \/>\njaja, gleich. wie sch\u00f6n sind diese letzten faulen Minuten vor dem Aufstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10.03.2006<br \/>\nSchnee f\u00e4llt in dicken wei\u00dfen Flocken auf D\u00e4cher, Stra\u00dfen, h\u00fcllt die  B\u00e4ume ein, das Gr\u00fcn des Rasens und die Zweige der B\u00fcsche. Krokusspitzen  werden zugedeckt, abgedeckt. Der Blick aus meinem K\u00fcchenfenster l\u00e4sst  mich zweifeln, ob ich da hinaus will.<br \/>\nIch \u00f6ffne das Tor und schaue. Wind kommt auf, in wildem Tanz wirbeln die  Schnellflocken durch die Sta\u00dfenschluchten, kaum mehr erkennbar sind  B\u00e4ume und Geb\u00e4ude am Fehrbelliner Platz. Erst schnell, dann immer  langsamer gehe ich \u00fcber die Stra\u00dfe, \u00fcber de Platz, bleibe auf seiner  Mitte stehen. Leute eilen an mir vorbei, ich recke mein Gesicht dem  grauen-wei\u00dflichen, immer heller werdendem Himmel entgegen und lasse mich  zuschneien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11.03.2006<br \/>\nich l\u00f6sche \u00fcberfl\u00fcssiges, mal hier und ab und an dort. Zerrei\u00dfe einen  Brief, verbrenne ein Foto, das nichts mehr aussagt. Die T\u00fcte voll  Darlings, geschickt in der mail, die du ob deiner zeitweilgien  Abwesenheit schenktest.<br \/>\nMit schwarzer Kohle ziehe ich Striche durch den tiefen Schnee , decke die Fr\u00fchlingsbl\u00fcher endg\u00fcltig zu.<br \/>\nEs wird keinen Fr\u00fchling geben, das Leben wurde eingestellt als nicht mehr interessierende Variante.<br \/>\nNein, ich baue keine Scheiterhaufen f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssiges, ich baue H\u00fcgel  aus verloren gegangenen Dingen, Schnippseln meiner Anwesenheit in deinem  Leben. Den Ehering, den ich in den Abfalleimer warf, Urkunden einer  zerrissenen niemals gewesenen Zweisamkeit. Gef\u00fchle der Liebe und des  Hasses, TRauer, Zorn.<br \/>\nWieviel an letztlich unn\u00fctzen Dingen zusammen zu tragen ist. Auslese, Auswahl eines Lebens.<br \/>\nWobei das DU austauschbar ist, nicht weil ein Du generell austausachbar  w\u00e4re, nur ein Leben beinhaltet mehrere Wege und Gegen\u00fcber.<br \/>\nDer Schnee verdeckt die Berge, nivelliert Unterschiede.<br \/>\nkein Leichentuch, aber ein verwischendes, gleichmachendes Element.<br \/>\nUnd das ist es, was ich will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14.03.2006<br \/>\nEin Traum: ich tauche hinab, die Kraft der Wellen \u00e4ndert meinen Kurs, aber je  tiefer ich dringe, desto sanfter streifen sie \u00fcber meine Haut. Ich  entkomme der Hitze in die atemlose K\u00fchle der beginnenden Nacht. Ich  liebkose den rauen steinigen Sand, sickere in ihn, l\u00f6se mich auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14.03.2006<br \/>\nmein Leben ist mein Haus. Manchmal wohne ich in ihm.<br \/>\nOft aber verlasse ich die Mauern meiner Einsiedelei und wandere die  Wege, die von hier nach dort f\u00fchren. Lasse meinen Blick von den  Fuchsienhecken fangen, sauge das Blaugr\u00fcngrau des Meeres auf.<\/p>\n<p>Aber am liebsten habe ich den Wind. \u00dcberall in meinem Haus kann ich ihn  h\u00f6ren, er ruft nach mir, will mich forttreiben wie die peitschenden  Regeng\u00fcsse, damit die Sonne Regenb\u00f6gen auf die Tropfen malen kann. In  den Klippen singe ich mit ihm, nur die Steine h\u00f6ren mich dort und der  Wal, der sich weit drau\u00dfen auf dem Meer seinem wilden Tanz hingibt.<\/p>\n<p>mein Leben ist mein Haus. Manchmal rei\u00dfe ich die W\u00e4nde ein, ziehe  Luftmauern, bemale sie mit duftigen Blumen, lasse meine H\u00e4nde  Hieroglyphen schreiben, weil mein Mund die Aussage verweigert.<br \/>\nmein Leben ist mein Haus. Manchmal ziehe ich die T\u00fcre leise hinter mir zu und gehe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">19.03.2006<br \/>\nuralt &#8211; nein, ich f\u00fchle mich nicht uralt.<br \/>\nich f\u00fchle mich nicht einmal alt. Beim Blick in den Spiegel \u00fcberkommt  mich Gel\u00e4chter, wer ist diese Frau mit mehr grauen als schwarzen Haaren,  dicklich gewordenem Gesicht, Ringen unter den Ringen unter den Augen,  graugr\u00fcn manchmal verschleierten Augen? Bin das ich?<br \/>\nDann erkenne ich mich in einem Zwinkern, einem skeptischen Blick, dem pl\u00f6tzlichen Lachen.<br \/>\nIst doch egal, wer das ist und nicht wichtig, wer mich so sieht, wer   glauben will, dass dieses Gesicht im Spiegel mein Ich ist, der soll es  glauben.<br \/>\nIch bin der Wind auf meinen Wangen, der felsige Weg unter meinen F\u00fc\u00dfen,  der Regen aus meinen Augen, die glei\u00dfende Sonne, die sich in meinen  Wimpern verf\u00e4ngt.<br \/>\nJeder Mensch ist ein eigener Kosmos und wer niemals hinter den SChein blickt, ist blind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20.03.2006<br \/>\nwas gibt es sch\u00f6neres als ein K\u00fcchentisch voll Landkarten?<br \/>\nZu lesen, zu planen, wieder zu verwerfen, nachlesen \u00fcber WEge, mit den  Augen die Pfade ausmessen, \u00fcberlegen, ob es wirklich Gamaschen braucht,  um durch B\u00e4che zu waten, weil es nicht \u00fcberall Trittsteine gibt. Und  dann wieder ein Foto im Wanderf\u00fchrer, wo ich denke: whowww&#8230;. da muss  ich lang, das will ich sehe!<br \/>\nZwischendurch mal den Rucksack rausholen, shit, da muss ne Naht  verst\u00e4rkt werden und wie pack ich das Zelt am optimalsten ein. Weil das  letzte Mal war das doch recht unausgegoren. Und der Brenner, tuts noch  der alte, obwohl er fast auseinanderf\u00e4llt.<br \/>\nUrlaubsplanungen am Sonntag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">24.03.2006<br \/>\nde nada, macht nix, no worries.<br \/>\nIs echt nicht schlimm, dass du mich verletzt. das Leben is halt wie es is. Is schon cool und egal, anyways&#8230;.<br \/>\nor anyhow. Jaja, ich wei\u00df, unfair, englische Spr\u00fcche reinzuhauen, wer versteht das schon. glaub mir, mehr als du denkst, honey.<br \/>\nhab vorhin laut gesungen oder eher gegr\u00f6hlt: stand by me<br \/>\nbut<br \/>\ndear, ich wei\u00df, niemand steht zu einem. w\u00e4re ja auch eine lustige  Variante zwischenmenschlicher Beziehungen. Stelle dir vor, jemand greift  dich total unberechtigt an und tats\u00e4chlich sagt einer : STOPP<br \/>\neben, gibt es nicht, wei\u00dfe Ritter\/innen oder auch leicht graue sind  einer irrwitzigen Illusion geschuldet, existieren aber nicht in der  Realit\u00e4t.<br \/>\nWie sagte einer meiner besten FReunde:<br \/>\nDu kannst dich nicht darauf verlassen, dass jemand deine Partei  ergreift. Was ist von solchen Zielen zu halten, die du nicht allein und  voller Vehemenz anstrebst?<br \/>\nNichts sagte ich &#8211; und &#8211; w\u00e4re aber sch\u00f6n, belebend, ermutigend, es w\u00e4re  zu Tr\u00e4nen r\u00fchrend, wenn es jemand da g\u00e4be in der weiten Welt, der  zugibt, dass er meine Sicht der  Dinge teilt.<br \/>\nAuch wenn die Hoffnung angeblich zuletzt stirbt, ich habe solche nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">02.04.2006<br \/>\nWarum reden &#8211; wenn man doch schweigen kann.<br \/>\nWarum denken &#8211; wenn man doch glauben kann<br \/>\nWarum zerbrechen &#8211; wenn man doch funktionieren kann.<\/p>\n<p>Ich will nicht mehr schweigen, ich kann nicht mehr glauben und ich weigere mich zu funktionieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">03.04.2006<br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">&#8220;Du schaust heut so m\u00fcrrisch&#8221;<\/span><br \/>\n&#8220;Jo, dann ist das eben mal so&#8221;<br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">&#8220;Du hast doch sonst immer gute Laune und ein L\u00e4cheln auf den Lippen&#8221;<\/span><br \/>\n&#8220;ahja, heute ist mir eben ausnahmsweise mal anders&#8221;<br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">&#8220;ja, ihr allein erziehenden M\u00fctter seid immer so launisch&#8221;<\/span><br \/>\n&#8220;h\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4h, ich dachte, ich bin sonst immer so gutgelaunt? Widersprechen sich wohl etwas die Aussagen&#8221;<br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">&#8220;ja,ja , die Probleme mit den Kindern. Ist nicht gut, wenn sie ohne Vater aufwachsen&#8221;<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> &#8221; \u00a0      &#8221; beredtes Schweigen<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #ff0000;\">&#8220;sag mal, redest du nicht mehr mit mir? Du bist ja heute mal unfreundlich. Also, ich hoffe, du bist morgen besser gelaunt.&#8221;<\/span><br \/>\n&#8220;Tja, sage mal, ist das hier Pflichtveranstaltung oder was&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">05.04.2006<br \/>\nUnd so geht nun der Tag zu Ende, an welchem vor 19 Jahren mein erstes Kind geboren wurde.<br \/>\nWo m\u00f6gen wir wohl alle in weiteren 19 Jahren sein? War ein seltsamer Tag  heut, aber gerade haben wir noch beieinander gesessen und einen Whiskey  zur Nacht getrunken. Das war sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Morgen ist ein neuer Tag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">07.04.2006<br \/>\nbei Freunden gesessen, einen tollen Kaffee getrunken, ein paar  Antipasti, Brot gegessen, Wasser und ein Glas roten Wein  getrunken.<br \/>\nGeredet, geschwiegen, gelacht, Trauriges, Fr\u00f6hliches, Allt\u00e4gliches erz\u00e4hlt.<br \/>\nThat is: what friends made for<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">17.04.2006<br \/>\nDie Geschichten sind alle bereits geschrieben. Nur die meine nicht. Weil  nur ich Ich bin und meine Gedanken Wege gehen, die nur ich kenne.<\/p>\n<p>Heute dachte ich \u00fcber menschliche Sch\u00f6nheit nach, wie man sie definieren  k\u00f6nnte und fand keinerlei Ma\u00df, welches mir geeignet erschien. Ich habe  so oft geh\u00f6rt, gelesen, welche Wichtigkeit das eigene Aussehen f\u00fcr viele  Menschen hat und fand keinen Tag und keinen Gedanken, den ich als  M\u00e4dchen und Frau daran verwendet h\u00e4tte. Ich sah mich weder sch\u00f6n noch  h\u00e4sslich und ich konnte mir keine Vorstellung machen, dass andere mich  anders empfinden w\u00fcrden als ich mich selbst. Ich war einfach nur ich.<br \/>\nUnd das war alles, was ich mir w\u00fcnschte.<\/p>\n<p>Wie oft h\u00f6rte ich Unverst\u00e4ndis, wenn ich \u00fcber mir Wesentliches sprach.  &#8220;Du denkst so seltsames&#8221;, sagte eine Freundin von mir oder ein Freund:  &#8220;du denkst nicht wie eine Frau&#8221;. Wobei ich mich verwundert fragte, wie  denn er dar\u00fcber zu urteilen vermochte. Wie dachte eine Frau?<br \/>\nIch denke wie ich und nicht wie eine Frau oder ein Mann. &#8220;Bin ich nicht origin\u00e4r in meinem Denken? Ist das nicht jeder?&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">02.05.2006<br \/>\nIch versuche mir klar zu werden, ob Wahrheit und Wahrhaftigkeit etwas Gleiches, Gegens\u00e4tzliches, sich Bedingendes sind.<\/p>\n<p>Das Verschweigen der Wahrheit kann die gr\u00f6\u00dfte L\u00fcge \u00fcberhaupt sein. Nicht jede Wahrheit jedoch darf gesagt werden.<\/p>\n<p>Lebensl\u00fcgen ersticken alles, nehmen alle M\u00f6glichkeiten aus   einer Situation.<br \/>\nIch kann das nicht begr\u00fcnden, weder lgogisch noch sonstwie, aber Wahrhaftigkeit ist mir wichtiger als Wahrheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">02.05.2006<br \/>\nL\u00fcge kann sicherlich gn\u00e4dig sein, sie kann aber trotzdem falsch sein. Weil &#8211; es kommt auf denjenigen an, der sie empf\u00e4ngt.<br \/>\nIch wei\u00df nicht woran es liegt, vielleicht daran, dass ich recht simpel  bin. aber ich l\u00fcge ausgesprochen selten. Vielleicht weil ich nicht  &#8220;gelernt &#8221; habe, dass man die Wahrheit nicht sagen darf.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall hat sie auch mit Vertrauen zu tun. aber auch mit Selbstachtung. &#8211; die Wahrheit nat\u00fcrlich &#8211; <img decoding=\"async\" title=\";)\" src=\"http:\/\/www.sternstaub.org\/forums\/images\/default\/smilies\/wink.gif\" alt=\"zwinkern\" \/><br \/>\nhm<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">02.05.2006<br \/>\nes gibt Dinge, die ich in mich verschlie\u00dfen muss.<br \/>\nEinmal habe ich einem Menschen so sehr vertraut, dass ich in allem offen  und ehrlich war. ich habe mich so sehr preisgegeben, diese Freundschaft  war das Kostbarste, was ich je erlebt habe. Diese Freundschaft hat mich  sehr viel gelehrt, als sie nach Jahren zerbrach, brach etwas ganz  Wesentliches f\u00fcr mich.<br \/>\nIch kann auch weiterhin Freundschaft schlie\u00dfen, aber bestimmte Dinge sind nicht mehr m\u00f6glich.<br \/>\nDiese Freundschaft, in der ich wahrhaftig sein durfte, war so sehr viel wichtiger als\u00a0\u00a0 meine vor l\u00e4ngerer Zeit zerbrochene Ehe.<br \/>\nshit,\u00a0 wie komme ich von Wahrheit auf Freundschaft? hm<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">07.05.2006<br \/>\nF\u00fchren wir nicht alle seltsame Leben?<br \/>\nWas von dem, was wir so tagt\u00e4glich (er)(\u00fcber)leben, ist von uns wirklich selbstgewollt?<br \/>\nWenn ich so lese, was von au\u00dfen aufoktruiert ist, was den Lebensumst\u00e4nden geschuldet ist.<br \/>\nWo sind wir da? Wo seid ihr? wo bin ich?<\/p>\n<p>F\u00fcr mich wei\u00df ich, dass ich SO nicht leben wollte. Meine Ziele haben  nichts damit zu tun, wie die Routine es mir aufzwingt.  Reicht es schon  aus, irgendwann mal die eine oder andere Entscheidung falsch getroffen  zu haben?<\/p>\n<p>Gibt es \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit der Umkehr?<br \/>\nIch nehme immer k\u00e4mpferisch f\u00fcr mich in Anspruch, dass nicht eines Tages  nur sondern bald der Zeitpunkt gekommen ist, dass ich lebe, wie ICH es  will!!<\/p>\n<p>Was mache ich, wenn das nicht gelingt. Obwohl Scheitern mir unertr\u00e4glich  klingt, kann ich als verst\u00e4ndiger Mensch nicht ausschlie\u00dfen, dass es  anders kommt.<br \/>\nW\u00fcrde meine Pers\u00f6nlichkeit, mein Ich, mein Selbstverst\u00e4ndnis das ertragen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">11.05.2006<br \/>\nMit Arbeit vergehen die Tage, ich schreibe, teste, teste, schreibe und bin froh um jede Sekunde, die mir das Denken erspart.<br \/>\nIch tauche geradezu ein in mein Projekt, es ist ein Selbstl\u00e4ufer und bald wird es lernen f\u00fcr andere zu laufen.<br \/>\nMorgen ist \u00dcbergabe und ich wei\u00df, der Fachbereich wird sich freuen.  Sch\u00f6n, wenn man durch Arbeit jemand helfen kann. Und sch\u00f6n, wenn jemand  mal honoriert, was man macht.<br \/>\nAber der n\u00e4chste Bereich, das n\u00e4chste projekt lauert schon und ich wei\u00df, da muss ich durch viele Widerst\u00e4nde, v\u00f6llig unn\u00f6tige.<br \/>\nAber seis drum. Auch das erspart mir \u00fcberfl\u00fcssiges Nachdenken \u00fcber Dinge, \u00fcber die ich jetzt nicht nachdenken WILL.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">20.05.2006<br \/>\nFunkstille. Verordne ich mir. Bin ich die Deppin, die immer beginnt?  Habe ich nicht zu viele eigenm\u00e4chtige Entscheidungen hinnehmen m\u00fcssen.  Ich m\u00fcsste so abgefressen sein und niemals mehr Kontakt in Erw\u00e4gung  ziehen.<\/p>\n<p>Zu wem? Zu Mann. Mann generell. Nein, danke, so mag ich es nicht. Geben  ist gleich nehmen ist gleich geben. Wer bin ich denn? Brauch ich das?  Wirklich?<br \/>\nn\u00f6, brauche ich nicht und will ich nicht.<br \/>\nAber es gibt immer wieder welche, die in meine ureigenste Dom\u00e4ne  einbrechen. Manchmal ist der Zorn so m\u00e4chtig, dass ich mich f\u00fcrchte.<\/p>\n<p>Mein Ex heute zu unserem Sohn : ich bin stolz auf dich, dass du den  Realschulabschluss so gut gepackt hast und nun aufs Gym gehen wirst.<br \/>\nCool, das Jahr mit drei Schulabschl\u00fcssen durfte aber ich finanzieren, weil er die Zahlung des Unterhalts eingestellt hatte.<br \/>\nIch renne dann raus, nein gehe und k\u00f6nnte vor der Falschheit und der Egozentrik das gro\u00dfe Kotzen bekommen.<br \/>\nUnd nachdem der Herr Sohn wieder aufs Gym geht und Abschl\u00fcsse hat, kann  mann sich wieder mit ihm treffen und zahlt vielleicht gro\u00dfz\u00fcgig den  Unterhalt&#8230;<br \/>\nAber die Tochter, die \u00f6fters mal aus freien St\u00fccken anruft, kann mann getrost missachten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">22.05.2006<br \/>\nMorgen ist ein Tag. Was f\u00fcr einer, dies muss sich erst zeigen. Viel  Arbeit steht an, eine SChulung muss ich abhalten. Viele Dinge sind zu  kl\u00e4ren, Termine zu planen und Gestriges abzuhaken.<\/p>\n<p>Vielleicht habe ich einige Momente, Zeit &#8211; dem Ziehen der Wolken zu lauschen, dem Fallen der Regentropfen, einfach nur lauschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">01.06.2006<br \/>\nIch will fern von mir sein. Das Leben, das mich umgibt, dass mich formt,  verformt, bis die Notwendigkeiten alles Individuelle abgeschliffen  haben. Manchmal schaue ich vor dem Schlafen von oben auf mich herab und  sehe nur eine schlecht getimete Maschine, deren R\u00e4derwerk immer mehr  ausleiert, ausfranzt.<br \/>\nIch will fern von mir sein. Fern von dem, was Alltag ausmacht, fern von  Zorn, Verzweiflung, m\u00fchselig geb\u00e4ndigte Verdrossenheit \u00fcber die Tumbheit  mancher Leute.<\/p>\n<p>Ich will nah bei mir sein, mich finden im Regenbogen. ich habe mich nie  so nah gef\u00fchlt bei mir selber wie zu den Zeiten, als ich \u00fcber steinerne  Wege ging. Der Regen mich durchn\u00e4sste und der Sturm mich in der  Zeltnacht nahe der Klippen \u00e4ngstigte. ich bin nah bei mir, wenn mich die  Luft schier trunken macht, der Blick kein Ende, keinen Horizont findet.<\/p>\n<p>Bald.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">29.06.2006<br \/>\nich bin immer im Umbruch &#8211; nach kurzen Phasen der Ruhe breche ich um,  pfl\u00fcge das Sch\u00e4dliche, das Schandbare um, f\u00fchre dem Boden zersetzende  Stoffe zu.<br \/>\nauf dass sie nicht mich zersetzen, sondern zu Humus werden, leben hervorrufen.<br \/>\nSo lange ich nicht (zer)breche, gibt es mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">05.07.2006<br \/>\nICH bin<br \/>\nich BIN<br \/>\nICH BIN<br \/>\nschreit das Ich<br \/>\nund  schleicht versch\u00fcchtert ob der Vehemenz des Aufschreis durch die Korridore der Au\u00dfenstellen des WIR.<br \/>\nWer hat meinen Schrei geh\u00f6rt? wird man ihn  nicht verteufeln, verlachen, missachten?<br \/>\nIch bin doch was ich BIN!<br \/>\nBin ich liebenswert, verst\u00e4ndlich, willkommen?<br \/>\nWer mich nicht liebt, kennt mich nur nicht? Das Ich bietet sich selber  Ausreden an, wie kann dich jemand lieben, wenn du so schreist. Um  Aufmerksamkeit heischst.<br \/>\nDas ist nicht &#8211; nun &#8211; das ist nicht die rechte Art, herunterzuspielen,  wie einsam du bist &#8211; oder Pardon, wie einsam das ICH ist. Weil du bist  ja nicht das ICH, das ICH ist es selber. Pech gehabt &#8211; ich.<\/p>\n<p>manchmal befreit es, wenn ICH und DU &#8211; also WIR gemeinsam lachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">08.07.2006<br \/>\nseltsames tr\u00e4umte ich.<\/p>\n<p>Schemenhaft erinnere ich mich daran, durch Alleen zu gehen, Spukbilder  narrten mich. Oder nein, es waren eher kurze Abrisse, wie aus einem  Film, Szenen, die ich als Beobachterin sah. Ein Junge, etwa 3-4, der  fortlief, schrie, Schutz suchte. Ein M\u00e4dchen, welches durch Stra\u00dfen  h\u00fcpfte, sich pl\u00f6tzlich umschaute. Eine Frau, die laut und wie befreit  lachte. Kinder, die mit Kreidesteinen H\u00fcpfk\u00e4stchen auf die Steine  malten.<br \/>\nBlauw\u00f6lbender Himmel, Farben, so intensiv, dass ich sie noch genau  beschreiben k\u00f6nnte. &#8211; der Flickenteppich eines Lebens &#8211; breitete sich  vor mir aus-<br \/>\nNein &#8211; es war kein innerer Horrorfilm sondern ein Motiv.<br \/>\nEin Motiv &#8211; ein Lied, eher eine Melodie, ein Singsang.<\/p>\n<p>Und ich wachte auf aus dem Traum, sa\u00df aufrecht in meinem Zelt und  krabbelte dann hinaus. Sah auf die Morgensonne. auf die Morgensonne, die  \u00fcber der Bucht aufging.<br \/>\nWas war das, welche Melodie, welch Singsang? Es war Verlust, ich hatte  es verloren, das, was mir Sekunden vorher noch so stimmig erschien. Die  Bilder &#8211; mein Lied.<\/p>\n<p>Stunden sp\u00e4ter kehrte es wieder und ich empfand es als Berauschung &#8211; es \u00fcberw\u00e4ltigte mich, ich hatte es wieder gefunden.<br \/>\nMein Lied.<br \/>\nWer erinnert sich an mich, wer erinnert sich an mich, wer erinnert sich an mich.<br \/>\nUnd ich sah den Jungen, ich sah das M\u00e4dchen und die Frau.<br \/>\nUnd mich.<br \/>\nDurch Orte gehend, die heute verlassen sind. In H\u00e4usern stehend, deren Zerfall nur noch der Sturm mildert.<br \/>\nHier haben zeitweise \u00fcber 1000 Menschen gelebt, Fischer, kleine Bauern, Familien. heute sind es etwas \u00fcber 100.<\/p>\n<p>Wo sind sie? Wer erinnert sich an mich &#8211; wer erinnert sich an mich?<\/p>\n<p>all diese Leben, sind sie umsonst gelebt? Was ist mit meinem Leben, wenn  niemand mehr wei\u00df, dass ich hier sa\u00df und die M\u00f6ven in ihrem Sturmflug  bewunderte. \u00dcber diese Stra\u00dfen gingen  Menschen. Und ich wei\u00df nun etwas  von ihnen.<br \/>\nIch erinnere mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">23.07.2006<br \/>\nOffenbarung hat viel mit Offenbarungseid zu tun.<br \/>\nDen mag ich nicht schw\u00f6ren, auch wenn ich offenbare, dass meine Gef\u00fchle desto tiefer sind, jemehr ich zugebe, sie zu haben.<br \/>\nGeheime Gef\u00fchle verberge ich zu oft vor mir selber. Sie sind so tief &#8211; tief in mir versch\u00fcttet, dass sie mir selber fremd sind.<\/p>\n<p>Wenn ich es ausspreche, zugebe zu f\u00fchlen, dann erhalten sie den ihnen zustehenden Status, ihre wirkliche Bedeutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">27.07.2006<br \/>\nein seltsamer Tag war heute.<br \/>\nEin Kollege ging in den Ruhestand, vorzeitig aufgrund eines besonderen  Modells, was ihm was bringt, aber auch dem Dienstherrn. 60 Jahre ist er  nun. Er ist so ganz anders als ich mit anderen Interessen,  Vorstellungen.<\/p>\n<p>Aber auch ich will in 2 Jahren den Antrag stellen, dieses besondere Modell auf Arbeitszeitverk\u00fcrzung realisieren.<br \/>\nHei\u00dft ich arbeite ab meinem 55. Geburtstag voll, bekomme aber nur 2\/3  meines normalen Gehaltes. ab 60 beginnt die FReistellungsphase und ich  bekomme auch etwa 2\/3. Und mit 65 die normale Pension.<br \/>\nDas bedeutet, dass ich 5 Jahre eher frei bin f\u00fcr die Art, wie ich wirklich leben m\u00f6chte.<br \/>\nIn 7 Jahren und ein paar gequetschten bin ich 60. Und dann will ich auf  niemand mehr R\u00fccksicht nehmen m\u00fcssen, weder auf Arbeit noch auf Kinder  und einfach leben. So wie ich es will!<br \/>\nIch will aus dem Haus treten und Landschaft sehen. Keine steinernen Stra\u00dfen und Stadth\u00e4user.<br \/>\nIn der Abendsonne m\u00f6chte ich mich auf eine Bank setzen und nur schauen.  \u00dcber eine Bucht, einen Fluss. Ich will die Stille h\u00f6ren und nicht den  Gro\u00dfstadtl\u00e4rm.<br \/>\nIn Gedanken male ich mir oft aus, wie der Ort oder das Haus aussehen wird.<br \/>\nCape Clear w\u00e4re ein gutes Beispiel oder die Farm von Jim in den Bluestack Mountains in Donegal.<br \/>\nUnd das Haus? Eine Wohnk\u00fcche, mein Schlafzimmer, ein Bad, Internetanschluss <img decoding=\"async\" title=\";)\" src=\"http:\/\/www.sternstaub.org\/forums\/images\/default\/smilies\/wink.gif\" alt=\"zwinkern\" \/> und &#8211; sehr wichtig f\u00fcr mich &#8211; ein G\u00e4stezimmer oder besser ein Freundeszimmer.<\/p>\n<p>Falls ich das alles so schaffe, freue ich mich auf euren Besuch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">08.08.2006<br \/>\nUnd ich schreibe:<br \/>\nEr hat am Leben vorbeigelebt und nun ist das Wichtigste f\u00fcr ihn &#8211; die Arbeit, die Firma unwesentlich geworden.<br \/>\nEr hatte f\u00fcr die FReunde keine Zeit, auch nicht f\u00fcr das Kind. Die Ehe  zerbricht, aber auch das ist nebens\u00e4chlich, auch daf\u00fcr keine Zeit. Neue  Projekte, neue Ziele, die Firma wird gr\u00f6\u00dfer und gr\u00f6\u00dfer. Man ist jemand  in der Hauptstadt, raucht zig Schachteln Zigaretten am Tag, Stress,  Hektik, keine Zeit, keine Ruhe, was ist Ausruhen? Gemeinsame  Restaurantbesuche entfallen immer \u00f6fter. &#8220;Ich w\u00fcnsche euch viel Spa\u00df,  ich kann nicht kommen, wie gern w\u00fcrde ich, aber meine  Verpflichtungen&#8230;&#8221;<br \/>\n&#8220;Ich lebe f\u00fcr die Firma, ich bin die Firma&#8221;, sagt er. Auf mails,  unabh\u00e4ngig von wem, antwortet er nicht mehr, er rast durch sein Leben.  Sein Leben ist die Firma.<\/p>\n<p>Und dann ist es vorbei.<br \/>\nDie erste Warnung hat er \u00fcberh\u00f6rt, nachdem der Magentumor entfernt war,  lebt er weiter am Leben vorbei. Und keine Bitten, regelm\u00e4\u00dfig zum Arzt zu  gehen, finden bei ihm Geh\u00f6r.<br \/>\nEr hat keine Zeit und sein Leben ist die Firma.<\/p>\n<p>Letztens haben wir Freunde uns getroffen und \u00fcber ihn gesprochen. W verspricht, dass er einfach mal in der Firma anruft.<br \/>\nAm 1.7. ist er an Krebs gestorben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">19.08.2006<br \/>\nDer Geschmack des Regentropfen<\/p>\n<p>&#8220;ich suche nicht Faktenwissen&#8221;, sprach sie.<br \/>\n&#8220;Ich suche das Wissen, das hinter den Dingen steckt. Die Enzyklop\u00e4die in  meinem Kopf ist nicht mein Ziel. Die Magie in einem Regentropfen mutet  mich herrlicher an als das Wissen um seine chemische Formel. Kein Mensch  kann all das Wissen, dass der Mensch angeh\u00e4uft hat, mit seinen Gedanken  erreichen und wiedergeben&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">28.08.2006<br \/>\n<span style=\"color: #3366ff;\">und wenn es dir etwas bedeutet.<\/span><\/p>\n<p>es bedeutet mir aber nichts.<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\">aber es m\u00fcsste doch.<\/span><\/p>\n<p>nein, es hat keine Bedeutung f\u00fcr mich.<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\">das kann nicht sein.<\/span><\/p>\n<p>woher willst du wissen, was sein kann oder nicht?<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\">das ist unmenschlich, du musst etwas f\u00fchlen.<\/span><\/p>\n<p>aber nein, ich f\u00fchle nichts.<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\">wenn es dir etwas bedeuten w\u00fcrde, w\u00fcrdest du etwas f\u00fchlen.<\/span><\/p>\n<p>da es mir aber nichts bedeutet, f\u00fchle ich nichts.<\/p>\n<p><span style=\"color: #3366ff;\">es muss dir etwas bedeuten.<\/span><\/p>\n<p>nein, es bedeutet mir nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">03.09.2006<br \/>\nmassives M\u00fcrrischsein.<\/p>\n<p>Ein Geburtstagsgeschenk von Freunden, eines, wobei man sich wirklich  etwas gedacht hat. Ein Korb, gef\u00fcllt mit Irland: 3erlei Bier, 1 Cider,  whiskey, ein richtig witziges Buch des Irland-Englandkorrespondenten der  TAZ, eine CD der Dubliners, ein Irish-Coffee-Glas mit Zutaten.<\/p>\n<p>Der Henkel mit einem sattgr\u00fcnen Band umflochten und Kleebl\u00e4tter auf die Folie geklebt&#8230;<\/p>\n<p>Und der Korb stand zwei Tage auf dem K\u00fcchentisch, heute f\u00fchrten wir ihn  seinem Zweck zu, tranken das Bier und den Cider, zum Nachtisch den  whiskey, lasen uns laut aus dem Buch vor und sangen mit den Dubliners  die songs von der CD.<br \/>\nUnd mittendrin erfasst mich ein solch starkes Gef\u00fchl von Sehnsucht, von  Heimweh, dass es mir die Kehle zuschn\u00fcrt und die TR\u00e4nen in die Augen  treibt.<br \/>\nIch glaube nicht, dass ich nach SChweden oder sonstwohin kann, so lange mich dieses Land so anzieht.<br \/>\nEs klappt nicht, zu versuchen mir die Sache aus dem Kopf zu schlagen,  alles Negative immer wieder zu betonen, versuchen Realistin zu sein, die  ich ja auch bin.<br \/>\nso endet der Tag mit Verdrossenheit, weil die guten Vors\u00e4tze nicht greifen, Realismus eine leere Sache ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">07.09.2006<br \/>\nneue Wege erschlie\u00dfen sich manchmal. Man geht in eine bestimmte Richtung  und sieht den Weg, die Stra\u00dfe genau vor sich. Bis man pl\u00f6tzlich an eine  Art Kr\u00fcmmung kommt und sich unvermutet eine Gabelung auftut. Manchmal  muss man von vorbestimmten ? Pfaden abweichen, um seinem Weg zu folgen.<br \/>\nManchmal entscheidet man falsch, verletzt sich dabei, aber der Weg, der in einem ist, l\u00e4sst sich nicht beirren oder verleugnen.<\/p>\n<p>two roads diverged into a wood<br \/>\nand I, I took the one<br \/>\nless travelled by.<br \/>\nand that has made all the differnce.<\/p>\n<p>Ich komme nicht mehr darauf, von wem das ist. Sp\u00e4ter fand ich die Stelle, der Text ist von Rober Frost.<br \/>\nDiese Strophe begleitet mich seit genau 30 Jahren, seit meinem ersten  Irlandaufenthalt. Ein betrunkener junger Mann sa\u00df in einem kleinen Park  in Cork und rezitierte Gedichte.<br \/>\nEtliche junge Leute sa\u00dfen im Gras um ihn herum und auch ich blieb stehen  und h\u00f6rte zu. Ein roter Lockenkopf wies auf eine Stelle rechts von sich  und ich setzte mich dazu. Und anderem sprach der Betrunkene, dem man  seine Trunkenheit anmerkte, der aber trotzdem nicht nuschelte, dieses  Gedicht.<br \/>\nUnd die Strophe brannte sich in meinen Kopf ein und ich habe sie all die  Jahre behalten und ab und an wieder hervorgeholt. Vielleicht ist es  sentimental, aber das ist eine der Irlandgeschichten, die ich h\u00fcte wie  einen Schatz.<\/p>\n<p>Ich glaube, ich muss n\u00e4here Bekanntschaft mit Robert Frost machen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">13.09.2006<br \/>\nwarum sollte man jemals wieder einem m\u00e4nnlichen Menschen trauen? Schon wieder ein Brief vom Anwalt. Langsam entwickelt sich im mir  blanker Hass. Und ich war doch eher immer \u00fcberzeugt nicht f\u00e4hig zum Hass  zu sein.<br \/>\nWie kann ein Mensch, mit dem ich viele Jahre zusammen war, derartig  l\u00fcgen. Er m\u00fcsste sich sch\u00e4men, wenn er nur den Mund aufmacht, um zu  reden. Ich w\u00fcnschte ich k\u00f6nnte ihm sein dreckiges Geld in den Rachen stopfen. Nicht nur Wortbr\u00fcchiger, sondern auch L\u00fcgner und Unterschriftenf\u00e4lscher.<br \/>\nne nix geht mehr, aus ists!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">27.09.2006<br \/>\nVielen Dank, aber ich habe kein Interesse.<br \/>\nIst das schlimm? Pr\u00fcde ist das? Nein, wieso?! Ich mag nur nicht mit  jedem, der meint, es w\u00e4re nett mich anzuschreiben, n\u00e4here Kontakte  haben. Das verstehst du? Du bist nur anders?<br \/>\nNat\u00fcrlich habe ich kein Problem, neue Menschen kennen zu lernen, im Gegenteil, aber ich mag so ne verkappte Anmache nicht.<br \/>\nWir haben uns doch schon hin und her geschrieben? Ja, klar warum nicht?<br \/>\nDu m\u00f6chtest mich morgen treffen? Oder erstmal telefonieren? Klar, dann ruf mal an.<br \/>\nOh hallo, nett dich zu sprechen. Ja, dann ok, dann treffen wir uns mal. Ich habe eine s\u00fc\u00dfe Stimme? h\u00e4h? na gut, wenn du meinst.<\/p>\n<p>&#8211; Treffen &#8211; Parkcafe &#8211; Gspr\u00e4ch ganz witzig, so weit ok. &#8211;<\/p>\n<p>oh hallo, es hat dir gut gefallen? am liebsten h\u00e4ttest du mich zum Abschied gek\u00fcsst? \u00f6h, ja, ich k\u00fcsse meine FReunde h\u00e4ufiger, aber ein  bisserl mehr Bekanntschaft darf schon sein.<br \/>\ndas verstehst du? du hast dich keine Sekunde gelangweilt?<br \/>\n(ich schon, ich sags aber nicht!) Was ich heute noch mache? Na, mit  meinem Sohn reden, kochen und dann ein paar Tage wegfahren. Ob ich es  ohne dich aushalten kann? nun, \u00f6h, warum nicht? Du hast Geburtstag  morgen? na, dann Gratulation! Du m\u00f6chtst mich treffen? Ich bin aber  nicht da, sorry.<br \/>\nDu freust dich, wenn wir uns wiedertreffen? Ja, schaun mer mal. Du feierst dann nur klein deinen Geburtstag?<br \/>\nDas kann auch sch\u00f6n sein. Sch\u00f6nes We mit der Mutter deiner Tochter.<\/p>\n<p>Sendepause &#8211;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">09.10.2006<br \/>\neinmal zu einer Zeit, ich lebte so ziemlich am Rande einer Klippe, deren  Fu\u00df f\u00fcr mich im Nebel lag, stellte ich f\u00fcr mich fest, dass ich  keinerlei Wert an sich habe.<br \/>\nschwierige Situation, schwierige Zeit, das Leben als Funktion. Damals  musste ich jeden Tag viele km mit der Bahn fahren, jeden Morgen, jeden  Nachmittag.<br \/>\nUm 5.30 aufstehen, Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr Kinder bereiten, sie wecken, ermahnen  leise zu sein, aus dem haus rennen, 1 1\/4 Stunde unt\u00e4tig in der Bahn   sitzen. Kinder anrufen, dass sie nun zu Schule losgehen m\u00fcssen.  Arbeiten, l\u00e4cheln, programmieren, funktionieren, 6 Stunden am St\u00fcck.  Losrennen, die Bahn bekommen, Fachb\u00fccher lesen, lesen, lesen, ankommen,  nachhause eilen. Auf dem Heimnweg schnell einkaufen, heim eilen. Kochen,  tr\u00f6sten, losfahren, Vater im KKhaus besuchen, tr\u00f6sten, zuh\u00f6ren, nach  hause eilen.<br \/>\nMit Kindern reden, Schulsachen nachschauen, Geschichten erz\u00e4hlen. W\u00e4sche  waschen, putzen, b\u00fcgeln. abends um 10.00 am Tisch sitzen, mehr  Buchstaben anschauen als lesen.<\/p>\n<p>WIESO brauchst du Hilfe? Du arbeitest doch nur halbtags, deinen Vater  besuchen? Das ist doch nicht anstrengend, sich um die Kinder k\u00fcmmern? Du  verpimpelst sie zu sehr.<br \/>\nich soll einkaufen? Daf\u00fcr habe ich nun wirklich keine Zeit. Wenn ich  nachhause komme, sitzt du am Tisch und liest, r\u00e4um doch w\u00e4hrenddessen  auf. Du hast doch genug Zeit. Ich komme ja erst abends sp\u00e4t. Ja, mein  Job ist eben wichtig.<\/p>\n<p>Das Hamsterrad dreht sich &#8211; ich bin nicht wichtig, ich funktioniere. und  funktioniere und funktioniere. Und gehe zum elternabend und gehe zum  Arzt mit den Kindern und.<br \/>\nund lese abends um 22.00 am Tisch ersch\u00f6pft einige Seiten im Buch.<\/p>\n<p>Morgens wenn ich im Zug sitze und aus dem Fenster starre, sehe ich die  Landschaft nicht. Es singt in meinem Kopf &#8211; wie&#8217;s mit geht, das ist ganz  egal, wie&#8217;s mir geht, das ist ganz egal, weil es ja nicht wichtig ist,  weil es ja nicht wichtig ist, wie&#8217;s mir geht, das ist ganz egal.<\/p>\n<p>Nach einigen Wochen fragt mich eine Bekannte: Sie sehen morgens immer so blass aus im Zug, geht es Ihnen nicht gut?<\/p>\n<p>Ich erschrecke, als ob ich geschlagen worden w\u00e4re.<br \/>\nIch muss etwas \u00e4ndern. Ich wei\u00df nicht, ob das geht.<\/p>\n<p>Monate, nein eher Jahre sp\u00e4ter wird mir bewusst, dass ich am Rande eines Nervenzusammenbruchs gelebt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">10.10.2006<br \/>\nIch bin m\u00fcde, dauerm\u00fcde. Und ich will weg. Nach Schottland oder Irland  oder Schweden. Ein kleines verstecktes Haus, Cottage irgendwo.<br \/>\nWenn der Morgennebel von den Bergen aufsteigt, setze ich den  Wasserkessel auf, trinke am Kaminofen den ersten Tee. Mache im Haus dies  und das, bis der Regen aufh\u00f6rt. Setze mich mit einer weiteren Tasse Tee  und einem sandwich auf die Bank vor der T\u00fcr, beobachte die Wolken, die  sich vom Wind in Fernen blasen lassen.<br \/>\nRecke mich, strecke mich, ziehe die Jacke \u00fcber und gehe hinter zum Meer.  Die Wellen schlagen schwer an den Kai und ich warte auf das Boot, das  mir ein paar bestellte K\u00f6stlichkeiten und B\u00fccher bringen wird.<\/p>\n<p>Abends werde ich in meiner K\u00fcche am Tisch sitzen, der nahe beim  Kaminofen mit Blick aus dem Fenster steht, ein neues Buch lesen und bei  einem Schluck Guiness den Tag beenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">14.11.2006<br \/>\nEs war so leicht. Ich habe den Ordner &#8211; den so lange geh\u00fcteten &#8211;  aufgerufen, letztmalig das Password eingegeben, einige Dokumente  \u00fcberflogen und wieder geschlossen. Dann habe ich jedes Einzelne f\u00fcr sich  angeklickt und gel\u00f6scht. Vor einem Monat habe ich es versucht, aber  nicht die Entschlusskraft aufgebracht, die L\u00f6schung vorzunehmen. Ich  habe es so oft versucht und bin immer wieder gescheitert. Meine Gedanken  sind den Pfaden gefolgt, denen ich so lange folgte. Ich habe den  innerlichen Schmerz gef\u00fcrchtet, der sich drinnen eingekapselt hat.<br \/>\nIch habe die Gedanken von drei Jahren meines Lebens fortgeworfen. Ich  hatte es versprochen, zugesagt und nun eingehalten. Es bleibt ein  diffuses Gef\u00fchl von Schmerz, \u00dcbelkeit, Bitterkeit und Verachtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">30.11.2006<br \/>\nmanchmal schwebe ich so vor mich her oder eher hin, sitze vertr\u00e4umt in Ecken herum. Verweigere mich.<\/p>\n<p>Wenn ich sacht \u00fcber deine Haare streiche, bis sie sich igelwiderborstig  aufrichten, lache ich. Weil wie du bist und wie du dich gerierst, mir  Tr\u00e4nen in die Augen treibt.<\/p>\n<p>Wie kannst du es wagen, ein eigenes Selbst zu haben, fragen mich deine  zornigen Augen. Weil ich ein eigenes Selbst bin, antworte ich.<\/p>\n<p>manchmal in Tr\u00e4umen erinnere ich mich, wie das war.<br \/>\nWar mit uns. Wie ich es glaubte, meinte, dass es sei.<br \/>\nAber ich habe deine Briefe zerrissen.<br \/>\nWeil nicht ich es bin.<br \/>\nDie du willst.<br \/>\nsondern die, du dachtest, die ich sei.<\/p>\n<p>(Erinnerung an einen Geliebten)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">30.11.2006<br \/>\nWahrheit ist oft eine subjektive Sache. sicher gibt es Fakten  mathamtischer und sonstiger Art, aber das was so allgemein Wahrheit  genannt wird, ist doch unserem inneren Kontext, unseren  Lebenserfahrungen, Erwartungen und WErtungen unterworfen.<br \/>\nIch bin sehr vorsichtig geworden, wenn es mich dr\u00e4ngt das Wort Wahrheit zu verwenden.<br \/>\nIch habe aber mich schon fr\u00fch damit auseinadergesetzt, f\u00e4llt mir jetzt  ein. Irgendwo (ich glaube sogar hier) habe ich einen Text dar\u00fcber. Ich  schau mal.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">07.12.2006<br \/>\nbei mir drehen sich die Gedanken, bei mir jubilieren sie: es ist  Fr\u00fchling. Mein Verstand sagt: ruhig, M\u00e4del, es ist Winter, die  Weihnachtsb\u00e4ume beginnen bald zu nadeln. Ruhig, ruhig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">07.12.2006<br \/>\nauch wenn es niemand wei\u00df. Ich war immer Tr\u00e4umende. Ruhigen Schrittes ging ich in der Realit\u00e4t umher, pragmatisch.<br \/>\nAber ihr habt mich nicht gesehen, nicht mich. In TR\u00e4umen lebe ich mehr, schrieb ich als Kind noch. Und es ist wahr.<br \/>\nIch gehe neben euch und bin Myriaden von Gedanken fern.<br \/>\nOhne Tr\u00e4ume w\u00e4re mein Ich ein sinnloses Ding.<br \/>\nWei\u00df ich nur, wer ich bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">06.07.2007<br \/>\njeder Mensch ist aus Lehm und Sehnsucht gemacht,<br \/>\nwer den Atem einhauchte, verga\u00df die Seele vom<br \/>\nDreck zu befreien. Jeder Mensch ist mehr als die Summe<br \/>\nseiner Synapsen.<\/p>\n<p>Was mich zerst\u00f6rt, ist Summe des anderen.<br \/>\nSumme sind wir alle &#8211; aus vieldeutigem,<br \/>\nunw\u00e4gbaren, verachtungsvollem.<\/p>\n<p>&#8220;Ich hasse meine Mutter&#8221; sagst du,<br \/>\nist sie weniger als<br \/>\ndu tr\u00e4umtest zu sein?<br \/>\nWen hasst du? dich in ihr?<br \/>\n&#8220;Ich verachte meinen Vater&#8221;,<br \/>\nsagst du. &#8220;Erzeuger ist er nur,<br \/>\nmenschliches Samenkapital oder Ausschuss&#8221;.<br \/>\nAllem zum Trotz bist du daraus<br \/>\ngeworden. Du bist dein eigenes Selbst?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Siehst du diesen \u00e4ngstlichen Zug um seine\/deine Augen,<br \/>\npartiell seid ihr \u00e4hnlich? Zeige mir seine, ihre,<br \/>\nDEINE Bilanz.<\/p>\n<p>(nach einem l\u00e4ngeren Gespr\u00e4ch mit einem, der immer noch nicht abgenabelt ist)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer l\u00e4ngst vergangenen \ud83d\ude09 Zeit habe ich einmal ein Projekt begleitet, welches sich Tagessuppe nannte. 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